Donnerstag, 29. April 2010

XXIV

Gesellschaftsstudien an der Uni hören sich zunächst einmal sehr spannend an. Ganz schnell jedoch ändert sich diese, im Nachhinein euphemistische, Grundeinstellung und die geneigten Studierenden stellen fest: Boring! (yeah that's right: Anglizismen rock!)
Es ist ja nicht so, dass das auf 90% des Studiums zutrifft. Or is it?

Will man/frau jedoch wirklich etwas über die Gesellschaft we live in erfahren, empfiehlt sich (ließ: empfehle ich dir) das Selbsstudium des Homo oeconomicus. Der perfekte Ort hierfür ist die Tankstelle. Wer einmal für eine solche gearbeitet hat weiß what I am talking about. Wer das Vergnügen noch nicht hatte: Stellt euch mal für ne Stunde oder zwei als unbeteligter Zuschauer in die Filiale der Wahl. Am besten, wenn das Kassiererpersonal gekannt wird, damit keine Beobachtungsverfälschung stattfindet. Awesomeness.

Hier gibt es sie alle: Abgehängtes Präkariat, welches gesammeltes Pfandgut gegen Flüssighopfen eintauscht, trifft auf (und drängelt sich vor) den W4-Professor, der gerade seine S-KLasse aufgetankt hat. Comedy pur, zwischen Leuten, die für 5 Euro tanken (der Sprit ist doch bis zuhause doppelt verfahren, bei den Preisen heutzuge,)türkischen Großfamilien die um 13.00 Uhr 7 Tiefkühlpizzen zum Preis von 20 Kaufen, denn der nächste Supermarkt ist 3 Gehminuten entfernt und Frauen, die dann doch nicht alleine tanken können, weil das Technikverständnis gegen Null tendiert.

Das wäre mal ein Showformat, und ich würde es schauen.

Samstag, 6. März 2010

XXIII

Als ich, umhangen von grauen Nebelbänken, kürzlich, also vor nicht all zu Langem, die Aneinanderreihung folgender Lexeme: "Fick disch Alta", "Isch mach disch so kaputtttt" und "Schaißdreck Haitek, dammit komm isch nisch kla" vernahm, dachte ich erst, die Nachbarn mit Migrationshintergrund beginnen wieder mal ihr Vorspiel. Dann merkte ich jedoch zweierlei:

1.)Es war nicht Samstag (Sonnabend). Dies ließ gegen einen Koitus hinter der Wand schließen.
2.) Der Fernseher lief.

Ein grandioses Format: "Die Mädchengang". Ist ein bisschen so, als wenn das gängige Richtsberger Publikum unter 20 in die Glotze gebeamt worden wäre. Oder so als wenn man mit der 1/A1 fährt, nur eben in 2D.

Fünf (oder sechs?) Mädchen (?) aus fünf (oder sechs?) verschiedenen Städten, jeweils natürlich die krasseste Gängstabraut in Town, müssen, um dem Knast zu entgehen, jede hat bereits Trilliarden Anzeigen "am laufen", wie uns die doppel-Xer und Bauchbinden immer wieder verraten, aufs Ländle ziehen, dorthin, wo es keine Typen, Drogen und Alkohol gibt. Schon mal gut. Ein bisschen wie Big Brother, nur ohne 24/7 Berichterstattung.

Fachpersonal gibt es auch noch. Eine Psychologin (oder Psychotherapeutin, konnte ich nicht so schnell verfolgen), die wohl unter den 5 schlechtesten ihres Jahrganges gewesen sein muss, und ein Kickboxweltmeisterantiaggressionstrainertürsteher, der aussieht, als wäre er gerade nach 20jähriger Haft aus dem Knast entlassen worden. Zu Unrecht. Der soll die Gören wohl ein wenig disziplinieren, aber natürlich ohne Gewalt, is klar.

Wer wissen will, welchen Epitasen, Peripetien, Retardationen und tragischen Eskalationen die Protagonisten und Antagonisten ausgesetzt sind bzw. welche sie selbst einleiten und ausführen, der schaltet ein, wenn RTLII zum Zoo, Abteilung abgehängtes Präkariat Version 20.10 läd. Und tut es schnell tun, wer weiß, ob sich die Mädels nicht schon bald gegenseitig kalt gemacht haben.

Montag, 8. Februar 2010

XXII

Es begab sich zu einer Zeit, man nannte es "1997", da entschloss sich ein eloquenter, aufstrebender Jüngling, dass es an der Zeit sei, seine bis dato eher kurz gehaltene Kopfbehaarung sprießen zu lassen.

Jenes Vorhaben gestaltete sich allerdings schwieriger als vermutet, da wallendes Haar zunächst sehr unattraktiv wirkt, wenn es zur Hälfte über die äußeren Ohrmuscheln gewachsen ist. So kam es, dass unser tapferer Held erst im dritten Anlauf die Oberhand über die hervortretenden Eitelkeiten gewinnen konnte, und die Phase des Hohn und Spott überdauern konnte.

Die Monate und Jahre gingen ins Land, und auch darüber hinaus. Das Kopfhaar entwickelte sich prächtig, und auch der junge Mann, der darunter verborgen war. Viel Pflege war von Nöten, um ein gepflegtes Äußeres zu wahren, doch das optisch-visuelle Ergebnis war alle Mühen wert- sämtlicher Unpraktikabilitäten zum Trotz.

So lebte der Jüngling, glücklich und zufrieden. Bis zu einer dunklen Epoche, die "2010" genannt wurde. Das Ende der vergnüglichen Zeit war gekommen, und die dringliche Notwendigkeit, eine Arbeitsstelle zu erlangen, warf ihre düsteren Schatten voraus. Wissend, dass die Weisen, welchen die Vergabe dieser "Arbeitsplätze" oblag, Arbeitgeber genannt, von der wallenden Pracht angeschreckt sein könnten, musste eine Entscheidung getroffen werden, die eine Ära der Gemeinsamkeit beenden würde: Das Kopfhaar musste weichen. Der dreizehn Jahre andauernde Prozess war so innerhalb von sechzig Minuten nicht nur aufgehalten, auch wurde sein Ergebnis vom Antlitz dieser Sonne getilgt.

So stehe ich hier, und berichte Euch, edlen Lesern von dieser Mär. Und wenn ich im Wind stehe und die Temperaturen gen Boden gleiten, so friert mein Kopf nun.

Ich brauche eine Mütze.

Freitag, 5. Februar 2010

XXI

Schon wieder ist so viel Zeit verstrichen, seit dem meine Finger, einer Kobra gleich, über die Tastatur eilten, um einen Eintrag zu verfassen. Sogar so lange, dass ich erst nachschauen musste, welche Zahl dieser Eintrag hier zugeordnet werden muss.

Zeitmangel habe ich gerade eigentlich nicht, dennoch fällt es mir gerade unglaublich schwer, mich für einen Eintrag zu motivieren. Woran dies liegt, kann ich gar nicht sagen, ich habe auch noch nihct darüber nachgedacht.

Dabei wollte ich doch über Humor schreiben. Was findet man lustig und warum. Und überhaupt. Ein interessantes Gespräch hatte ich vor kurzem nämlich. Kommt noch. Vielleicht.

Heute geht es um Widmann. Götz Widmann. Und um früher. Und heute. Alles ist miteinander verwoben, so schreibt es jedenfalls Wolfgang Thon. Den muss man nicht kennen, er übersetzt Fantasyromane, zum Beispiel die von Dennis McKiernan, in die deutsche Sprache. Keine Angst, auch den muss man nicht kennen. Also eigentlich schreibt McKiernan, dass alles miteinander verwoben ist, nur eben auf Englisch. Da ich aber nicht weiß, wie er das ausgedrückt hat, noch mir vorstellen kann, wie man es ausdrücken könnte (so, dass es gut klingt), muss der Thon herhalten. Quasi wie: Der Thon macht die Musik. In dem Fall eher: Der Thon macht die Übersetzung. Naja.

Zurück zum Götz. Er spielte hier in Marburg (im KFZ, netter Laden, nette Leute, faire Preise). Dabei muss ich darauf hinweisen, dass ein Life-Time-Achievement unlocked wurde: Neben Götz beim Pinkeln stehen. Also jetzt nicht meins. Aber bestimmt das von irgendwem. Und dabei haben wir uns kurz unterhalten. Ich erwähnte, dass ich ihn seit etwa 2002 nicht mehr life gesehen habe. Er sprach davon, dass die alte Kneipe in Berlin "Tacheles" mittlerweile zu klein geworden ist. Also für ihn. Zum aufteten. rein kommt er noch, so viel hat er nicht zugenommen. Er spielt mittlerweile im "SO 36". Läuft also doch ganz gut. Für ihn. Scheint so. Und dann sprachen wir noch über Zeit früher, wie das so war. Schön wars.

Seine Texte haben sich etwas gewandelt,Götz ist erwachsener geworden. Keine Angst, das wird kein CD-Review. Aber es ist eben alles miteinander verwoben. Früher gings es um Eduard oder Zöllner (auf der A4), heute fließen eben auch noch Erfahrungen von und mit seiner Tochter in die Texte ein. Dennoch ist Götz Widmann immer klar als eben dieser auf der Scheibe (wie die Fachleute es manchmal noch nennen, heutzutage ja eher Bits und Bytes) zu erkennen. Die großen Hits von früher, gerne auch von Joint Venture, kommen immer noch am besten. Is klar.

Es muss so irgendwo zwischen dem 3. und 4. Weizen geesen sein, da wurde ich etwas melanchonisch. So positive-depressive-stimmungsvolle Melancholie. Ich vermisse die Sommer von damals. Doch auch das Heute würde ich vermissen, würde ich wieder so leben wie früher. Es ist nicht mehr zu verbergen, man wird erwachsen. Und träumt ein wenig von der vergangenen Jugend, die doch erst 6 Jahre her ist (ließ: DER Jugend, nicht der Jugend).

Alles ist miteinander verwoben, und doch benötigt man manchmal Geister aus der Vergangenheit, um gewisse Zusammenhänge zu sehen. Und wenn ich 2016 wieder einmal zurückblicke, dann wird mir der Lebensabschnitt, welcher nun allmählich zu verblassen beginnt, wahrscheinlich in einem ähnlich warmen Licht erscheinen, wie jetzt der Summer of 02.

Samstag, 9. Januar 2010

XX

So, der zwanzigste (echte [neben den ganzen unechten hier]) Post, ein kleines Jubiläum, hurra hurra. Da muss doch mal was her, was den/die getreue/n Leser/in (merkt ihr, wie anstrengend das ist, also nicht nur zu schreiben, sondern auch zu lesen?) so richtich vom Hocker haut. Gibts aber nicht. Ha!

Dafür eine kleine Warnung:
Heute Abend läuft (das kommt noch aus den Zeiten, als Filme tatsächlich noch gelaufen sind, und zwar auf Rollen, eigentlich also: kommt) auf Für Sieben ein nettes Werk, genannt: "Mädchen Mädchen 2 Bindestrich Loft oder Liebe". "Warum eine Warnung" wirst du jetzt fragen (also nicht nur mich, sondern auch Dich [ja, mich klein, dich groß, so ist das in der deutschen Sprache] selbst). Sagen (eher schreiben) wir (eher ich) es mal so: Du kannst mir vertrauen, der (hint auf mein Sexus, Gender hatten wir, ich jedenfalls, genug)ich das (na endlich mal Neutrum) Vergnügen hatte den, ich sag mal, "Film" seiner/ihrerzeit in der Sneak zu sehen, oder (aha, die Wahlmöglichkeit kommt jetzt, also aufpassen!) in quälenden, und das meine ich wortwörtlich, einhundertundfünf (gefühlt war es mit einem vielfachen potenziert) Minuten selbst herausfinden, warum frau (ein dämlicherer Genderneologismus ist mir auch noch nicht untergekommen) sich denn nun wirklich zwischen einem Loft und der wahren (?) Liebe entscheiden muss. Ich würde das Loft nehmen, der Rest kommt von allein.
DAS ist doch nun wirklich der Stoff, aus dem Träume gemacht sind. Hollywood, ick hör dir trapsen, schnell geremaked, vielleicht mit Hugh Grant und..... Julia Roberts. Dann wirds auch nicht so teuer.

Aber mal im Ernst: Just don't! Trust me!

Mittwoch, 6. Januar 2010

XIX

In letzter Zeit habe ich das deutsche Fernsehen in seiner kulturellen Bedeutsamkeit ja oft angeprangert. Zu Unrecht, wie ich vor wenigen Minuten habe lernen dürfen. Es läuft: RTL, DSDS. Und es ist beschämend. Wie kann man Menschen, die die große Chance ergreifen wollend, umsonst, kostenlos, gratis Filmmeter produzieren, nur solcherart vorführen? Kleine und große Fehler werden hyperbeletisch ausgeschlachtet und übertriebenermaßen wieder und wieder lächerlich gemacht.

Sicherlich ist es die Schuld der Auftretenden, und dass es in Formaten wie DSDS nicht um Musik geht, ist doch hoffentlich mittlerweile jedem klar geworden. Dennoch ist die Entwicklung der letzten Jahre äußerst unschön zu beobachten. Der von Adorno befürchtete Kulturverfall durch das Medium Fernsehen scheint, nein ist, heute aktueller und zutreffender den je. Doch was sollen die Vorstandsvorsitzenden in den Sendern auch machen, verzeihung, senden? Das Publikum bekommt das Program, welches es verdient.

Kleiner Tipp am Rande dabei: Auf DSF läuft derzeit "Ninja Warrior". Wer die unsäglichen Kommentare länger als 3 Minuten durchhält, ist stärker, als ich es je sein werde. In diesem Sinne: WICKED!!!!!

Montag, 4. Januar 2010

XVIII

Und damit herzlichst willkommen im neuen Jahr.
Jetzt aber zu etwas komplett Anderem:

Am Wochenende war ich in Hanau. Dort fand ein Legacyturnier statt. Das ist ein Format des Trading Card Games "Magic the Gathering (TM)" (näheres entnehmen Sie bitte der einschlägigen Literatur, ich empfehle Google als Ausgangspunkt). Einige meinen, dies sei ein nerdiges, geldverschlingendes, uncooles Kinderspiel. Andere behaupten, es erfordere ein hohes Maß an strategischen, empathischen und ökonomischen Verständnis der Materie. In der Tat liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Nun denn, mit 270 Teilnehmern wird es wohl das größte Turnier dieser Art auf deutschem Boden dieses Jahr sein. Die Sample Size für follgende Behauptungen ist demnach groß genug.

Ich fand, und finde, es wieder einmal erschreckend, wie sich erwachsene (?) Menschen (zum Großteil Männer, ein weiteres Charakteristikum von MtG) benehmen, wenn es im direkten Kontakt um ein Kräftemessen geht, bei dem auch noch beträchtliche Preise zu gewinnen sind. Mit Recht und Absicht habe ich bei den erforderlichen "Skillz" die soziale Komponente unerwähnt gelassen, denn bei vielen, scheint diese unterentwickelt oder fehlend. Da werden nach dem Spiel Handshakes verweigert, Gegner angeblafft oder Konversationen restriktiv Abgelehnt. Das schlimmste ist jedoch die unsägliche Reaktion vieler, wenn doch tatsächlich ausnahmsweise mal verloren wird. Dann hat sich der Typ nur durchgelucked, er zieht eins von nur zwei outs, oder man selbst war so unlucky, weil nicht eine der unendlichen Siegmöglichkeiten in 5 Zügen kam. Selbst verschuldet hat man das ja nie, Fehler machen nur die Anderen. Und gewinnen dann auch noch.

Turniermagic ist anstrengend, weil zu viele Leute zu verbissen an ein Hobby herangehen, welches eigentlich so viel Spaß machen kann. Aber wer mehrere Hundert bis mehrere Tausend Euros für ein bisschen Pappe ausgibt, hat sie eh nicht mehr alle, oder?

Bezüge oder Ähnlichkeiten zu existierenden gesellschaftlichen Phänomenen sind, wie immer, rein zufällig und nicht beabsichtigt.